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Von einer, die sich in einen Hund verliebte und dann in die große, weite Welt zog…
Rückblick:
Lange spielten mein Mann und ich mit dem Gedanken, dass ein Hund unser Leben bereichern würde und wir nur auf den Richtigen warten wollten. Beim Durchstöbern einiger Hundeseiten stießen wir dann vor ca. 12 Wochen auf „Hundepfoten in Not„. Wir saßen vor all den schönen Hunden, die alle eine so traurige Geschichte hatten und kamen immer wieder auf eine Hündin zurück. Die eingestellten Bilder und das Video zu ihr ließen uns nicht mehr los und so schrieben wir den Tierschutz mit der Bitte an, uns genauere Daten über die Hündin zu schicken und um überhaupt in Erfahrung zu bringen, ob diese Maus denn immer noch in Rieti säße.
Nach einigen Emails hin und her stand für uns fest: Orchidea muss zu uns!
Die „Besichtigung„ von uns und unserem Haus hatten wir bestanden, der Schutzvertrag war unterschrieben, Fressen, Leckerlies, Körbchen, Bücher und Hundeleine waren eingekauft. Orchidea war gechipt und geimpft und der erste Termin für den Transport unserer Schönen stand fest. Große Freude bei uns. Sie kommt! Leider wurde der Termin durch den Wegfall der Fahrer abgesagt. Ok, es wird sich bestimmt ein anderer Fahrer finden… warten… warten… warten… Nichts!
Dann der Anruf von Uli aus dem Tierschutz, ob ich mir nicht vorstellen könnte, in meinen Herbstferien mit Marion nach Rieti zu fahren und Orchidea mit zehn weiteren Hunden aus Italien abzuholen.
Da wir nun nach zehn Wochen der Wartezeit nicht mehr warten wollten, war es schnell klar:
Ich fahre !!!
Am Mittwoch, den 20.10.2010 ging es also los für mich. Zuerst fuhr ich von Hannover nach Frankfurt. Morgens um drei klingelte dann der Wecker für mich und erstaunlicher Weise fiel mir das Aufstehen gar nicht schwer. Nun brachte mich mein Mann bis Heilbronn, wo ich den Transporter in Empfang nahm. Nach einigem Gezicke zwischen dem Wagen und mir haben wir uns geeinigt, uns zu verstehen und los ging es bis zu Marion nach Freiburg. Nach einem kurzen und herzlichen/herzhaften Frühstück mit einem herrlichen Kaffee starteten wir nun gegen 13.00 Uhr „so richtig„ in Richtung Rieti. Unser Navigationsgerät versuchte ständig, sich in die lustigen Gespräche von Marion und mir einzumischen, was wir mit „Ton aus„ bestraften. Sie bestrafte uns dann mit „Ich sage gar nichts mehr„ und ließ uns gerne immer wieder für einige Zeit im Stich… War unser Navi dann doch mal ansprechbar, so hatte es richtig Gefallen daran gefunden, uns und hier besonders Marion, mit „Achtung„ zu nerven. Wir hatten zu dritt unseren Spaß ;-)
Unsere Hinfahrt führte uns durch die wunderschöne Schweiz und Italien (hier wurden wir an der Grenze herausgewunken, da sich die lieben Beamten wohl nicht vorstellen konnten, dass zwei taffe Frauen alleine mit einem Transporter unterwegs sind und dachten wohl, der dazugehörige Mann liegt im Kofferraum…;-)). Nachdem dies überprüft und verneint wurde, ging es für uns mit Zwischenstopps weiter Richtung Rieti. Marions wunderbarer Kaffee in der Thermoskanne und der mit Liebe zubereitete Nudelsalat mit Schnitzeln hielten uns bei Laune und natürlich auch bei Wachheit. Das Wetter meinte es gut mit uns und wir hatten viel zum Schauen und Staunen. Nach
vielen Stunden, die aber ganz und gar nicht langweilig waren, kamen wir gegen 00.30 Uhr endlich in unserem Nachtdomizil bei Claudia an. Das Auto wurde gut untergestellt, unsere Habseligkeiten ins Zimmer gebracht und dann gab es ein wohl verdientes kaltes Bier mit leckeren Nudeln mit Pesto, Käse und Oliven, herrlich. Nach einer kurzen Besprechung mit Claudia, die unsere „Gastgeberin„ für die Nacht war und die Anlaufadresse bei Rieti, rief uns doch das Doppelbett, was Marion und ich uns gerne wie zwei alte Freunde teilten.
Freitag Morgen um 09.00 Uhr. Nachdem Marion die Vorhänge zurückgezogen hatte, wir uns an der wundervollen Aussicht von unserem Bett aus ergötzt hatten und wir einsehen mussten, dass der Kaffee wohl nicht zu uns ans Bett kommen wird, da James mal wieder seinen freien Tag hatte (gutes Personal ist heute echt schwer zu finden), standen wir auf.
Wir machten uns für die große Fahrt frisch, frühstückten mit herrlichem italienischen Kaffee wartend auf Claudia, die noch drei Hunde aus Rieti abholen musste und genossen für ca. eine Stunde das Ambiente vor unserer Haustür. Marion und ich fühlten uns, als ob wir im Urlaub wären. Die Sonne schien, ein wunderschönes Panorama auf der Terrasse und noch einmal einen herrlich warmen Kaffee in der Hand. Mensch, war das schön;-)
Kleiner Zwischeneintrag: Für alle, die wie ich dachten, schwarze Oliven werden nach der Ernte eingefärbt und die gibt es gar nicht wirklich, habe ich einen Gegenbeweis fotografiert. Es ist nämlich so, dass die schwarzen Oliven direkt am Baum gefärbt werden und dann erst geerntet werden. Ich weiß es ganz genau, es hingen am Baum auch grüne Oliven, was dafür spricht, dass der „Einfärber„ mit seiner Arbeit nicht fertig geworden ist ;-)))
Marion und ich befüllten die Boxen für die Hunde mit Zeitungspapier, gingen noch ein letztes Mal die Papiere der Hunde durch und warteten auf den Startschuss. Gegen 13.30 Uhr kam nun Claudia mit Tara, Linx und Asterix aus Rieti. Nun ging es richtig los für uns. Wir ließen die drei Hunde noch einmal Wasser schlürfen und ihre Beine vertreten, holten Kevin, der sich schon auf dem Gelände befand aus dem Stall und brachten sie für ihre Fahrt in ein neues Leben in ihren Boxen unter. Nun ging es weiter zum zweiten Tierheim, wo die restlichen sieben Hunde (Rufo, Botolino, Guappo, Dora, Orchidea und Why) auf den Antritt der Reise warteten. Hier ging es mit der Beladung unserer wertvollen Fracht ziemlich schnell. So schnell, dass ich meine eigene Hündin, Orchidea, erst so richtig in ihrer Box begrüßen und anschauen konnte. Die Wassertröge in den Boxen wurden befüllt, noch ein weiteres Mal die Papiere auf ihre Richtigkeit überprüft und mit Volldampf ging es los in Richtung neue Heimat.
Die ersten Stunden war Why sehr unruhig und der arme Kerl konnte sich mit seiner Situation, eingesperrt in einer Box, fremde Frauen um sich herum und rechts und links von ihm fremde Hunde, nicht so recht anfreunden. Nach circa eineinhalb Stunden kam er zu Ruhe und seinen Job des Bellens übernahm Rufo, der über meiner Orchidea saß. Erst nach längerem Überlegen und so einigen Streitgesprächen mit dem Navi, dass uns mit „Achtung„ anraunzte, kam uns die Idee, dass Rufo wohl vor den Lichtern der anderen Autos Angst hatte, die sich immer wieder den Heckscheiben an seinem Platz näherten und danach wieder verschwanden. Wir hielten, deckten seine Box mit einer Decke ab und er konnte nun endlich zur Ruhe kommen. Alle anderen Hunde bedankten sich für die geniale Lösung anständig bei uns und wir uns bei ihnen, da sie so tapfer die Reise über sich ergehen ließen.
Gegen 01.00 Uhr nachts kamen wir nach einer problemlosen Überfahrt an den Grenzen in München an und konnten Rufo und Botolino in ihr neues Leben zu wunderbaren Menschen geben. An dieser Station bekamen wir von einer herzlichen Frau (sie hat selber erst vor kurzer Zeit einen Hund aus
Rieti zu sich genommen) ein Fresspaket mit warmen Kaffee, welches uns während unserer Weiterfahrt bei Laune hielt. Danke nochmal!
Die nächste Station war dann Frankfurt. Hier übergaben wir gegen 03.00 Uhr Guappo, Tara, Kevin und Why an ihre neuen Dosenöffner ;-)
Gegen 08.30 Uhr trafen wir bei Uli und ihrem Mann ein. Wir wurden sehr herzlich begrüßt und konnten die wertvolle Fracht, die die vielen Stunden im Auto ausgehalten hatten, übergeben. Dieses Mal waren es Linx, Kevin, Dora, Goldetto und Asterix.
Ich konnte nun auch zum ersten Mal mit meinem Mann, der hier auf uns wartete, meine eigene Hündin anschauen, kuscheln, begutachten. Wundervoll. Es passte bei uns sofort. Gesucht und gefunden!
Alle Hunde durften sich bei Uli und ihrem Mann noch einmal im Garten entleeren und traten ihren letzten Weg für diesen Tag an.
Epilog:
Wirklich beeindruckend fand ich, dass alle Tiere sich so gut wie gar nicht eingepieselt hatten und keiner in seine Box gekotet hatte. Zudem haben alle ihr Schicksal der Fahrt ins Ungewisse mit so viel Geduld und Zuversicht hinter sich gebracht. Respekt. Eine Fahrt in ein neues, hoffentlich wundervolles Leben… Zwei Wochen später kann ich rückblickend nur sagen, dass ich diese Fahrt nicht bereut und den wundervollsten Hund der Welt bekommen habe, mich es mit Stolz erfüllt, die elf Hunde nach Deutschland geholt zu haben und ich es wieder tun würde. Ein wunderbares Gefühl !!!
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